Vorgeschichte der Pommerland

Wohin einen der Wahnsinn treiben kann – vom Wiederaufbau eines Zeesenbootes Pommerland eV

Quelle Jan Lüdemann
Waldstrasse 7a
D-17498 Steffenshagen/b.Greifswald

Schietkram...‘, dachte sich Jan Maat, als er sich von seinem großmäuligen, älteren Bruder im Stich gelassen, in der Verpflichtung gegenüber gestandenen Bootsbauern sah - aber wo wird heute schon noch kielgeholt...
So geschehen im Spätsommer 1995 - und bei der Verpflichtung handelte es sich um die Finanzierung des Kaufs und des Wiederaufbaus des alten Zeesenbootes „Pommerland“. Nach Angaben des damaligen Eigentümers Rolf Reckmann (Kulturgut Liddow/Rügen) wurde sie etwa um 1880 auf einer Stralsunder Werft gebaut. Nach den Unterlagen fuhr die „Pommerland“ noch bis 1987 unter dem Namen „Gle-1“ (FZ-59) für die FPG Ernst-Moritz-Arndt auf Zudar/Rügen, in den letzten Jahren allerdings bereits zu einem Motorkutter umgebaut: ohne Rigg und mit achterlichem Ruderhaus. In dieser Zeit wurde vermutlich auch das Rundgatt stark beschädigt und ein Spiegelheck eingesetzt. Nachdem sie nach Liddow verholt wurde, ist sie dann auch wieder ohne Ruderhaus, als Slup getakelt gefahren worden.

Sie mußte dann schon einige Jahre an Land gelegen haben, als wir es zum ersten mal gesehen haben. Eine Augenweide, wie sie so dalag, im Gras, mit dem kleidsamen Spiegelheck, da mußte man doch einfach sein Herz und wohl auch seinen Verstand verlieren. Der Zustand des Bootes wurde seinerzeit als stark reparaturbedürftig beschrieben – es sollte sich erst später zeigen, was hinter dieser verheißungsvollen Einschätzung verborgen lag.
Eine Handvoll unerfahrener Leute mit viel Engagement ließen sich auf die Geschichte ein:
Anke, Ina, Doris, Stoffel, Bodo, Harry und Uhu - und hatten hiermit mit sinnlich verklärtem Blick einen Vertrag über einige Dutzend schlafloser Nächte und unzählige Stunden harter Arbeit unterschrieben. Zunächst wurde ein gemeinnütziger Verein gegründet und glücklicherweise Sponsoren gefunden, die uns nach Erarbeitung eines detaillierten Finanzplanes hierbei entsprechend unterstützen wollten. Unsere Probleme begannen, als wir Bekanntschaft mit dem Gesetz der Kostenpotenzierung im Bootsbaugewerbe machten. Es hängt wohl damit zusammen, daß Boote auseinanderfallen können, wenn man versucht, einzelne Bestandteile auszutauschen. Erst nachdem man ein Boot so richtig zerlegt hat, erkennt man die Gemeinheit im Detail: Nicht die offensichtlichen, sondern die verborgenen Mängel verursachen den tatsächlichen Aufwand und auch die Kosten. Man sollte sich deshalb darauf einstellen, gleich zwei Drittel des Bootes erneuern zu müssen – dann ist man auf der sicheren Seite. Ein vollkommener Neubau ist wohl noch sicherer. Da der Bootskörper derart marode war, haben wir uns für eine Zwischenvariante entscheiden müssen. Gut zwei Drittel der Spanten, der Balkweger, einige Bodenwrangen und der Achtersteven blieben original, der Rest mußte erneuert werden. Es hat etwa zwei Jahre gedauert und neben dem Spaß der gemeinsamen, kreativen Arbeit auch jede Menge Nerven gekostet – sicher auch die von unserem Bootsbauer, wenn wir wieder einmal eine Rechnung nicht pünktlich bezahlen konnten. Aber er hat zu uns gehalten.
Vor einigen Wochen war Hallenstapellauf und wenn die Finanzierung der noch notwendigen Arbeiten gesichert werden kann, kommt die „POMMERLAND“ noch im Frühsommer nach Greifswald in den Museumshafen. Ein wunderschönes maritimes Kleinod und tatsächlich eine Meisterleistung der Bootswerft Lorenz (Middelhagen/Rügen) mit Matthias Lorenz und Rainer Mikosch – vielleicht auch mit den Bemühungen der Mitglieder des Pommerland eV. .
All dies wäre nicht möglich gewesen – das sei hier ausdrücklich erwähnt, ohne die finanzielle Unterstützung durch die Sonnen-Apotheke in Dessau (Volker Köhler), die Fa. König, die Fa. Schmittendorf und die Fa. CWS-Medicare in Greifswald.